Wasser in der Landschaft halten – eine Aufgabe mit Zukunft

Vom Entwässern zum Wasserrückhalt

Über Jahrzehnte stand die Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen im Mittelpunkt der Arbeit von Unterhaltungsverbänden. Die Gräben und Gewässer im Verbandsgebiet wurden angelegt und gepflegt, um überschüssiges Wasser möglichst schnell abzuführen. Dieses Prinzip hat der Landwirtschaft und der Siedlungsentwicklung in unserer Region gute Dienste geleistet.

Doch die Zeiten ändern sich. Trockene Sommer, sinkende Grundwasserstände und ein wachsendes Bewusstsein für den Wert des Wassers stellen uns vor neue Aufgaben. Heute geht es nicht mehr nur darum, Wasser abzuleiten – sondern auch darum, es gezielt in der Fläche zu halten. Diese Aufgabe nennen wir Wasserhaltung.

Was bedeutet Wasserhaltung?

Unter Wasserhaltung verstehen wir alle Maßnahmen, die dazu beitragen, Wasser im Verbandsgebiet zurückzuhalten und den Wasserhaushalt in der Landschaft zu stabilisieren. Dazu gehören insbesondere:

  • Stauanlagen und Wehre in Gräben und Vorflutern, mit denen der Wasserstand gezielt angehoben werden kann
  • Angepasste Gewässerunterhaltung, die den Wasserabfluss verlangsamt statt beschleunigt
  • Förderung der Grundwasserneubildung durch Rückhalt von Niederschlagswasser in der Fläche

Ziel ist es, das Wasser dort zu halten, wo es gebraucht wird – für die Landwirtschaft, für die Natur und für stabile Grundwasserstände.

Warum ist Wasserhaltung wichtig?

Klimawandel und Trockenheit

Die Sommer der letzten Jahre haben deutlich gezeigt: Wasser ist keine Selbstverständlichkeit. Längere Trockenphasen führen zu sinkenden Grundwasserständen, austrocknenden Gräben und Ertragseinbußen in der Landwirtschaft. Wasser, das im Winter und Frühjahr zu schnell abfließt, fehlt im Sommer.

Grundwasserschutz

Ein stabiler Grundwasserstand ist die Basis für die Trinkwasserversorgung und für gesunde Böden. Durch gezielte Wasserhaltung können wir dazu beitragen, die Grundwasserneubildung zu unterstützen.

Gewässerökologie und Wasserrahmenrichtlinie

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) verpflichtet dazu, Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. Auch wenn die Hase-Wasseracht nicht unmittelbar für die Umsetzung der WRRL zuständig ist, müssen wir ihre Ziele bei unserer Arbeit berücksichtigen. Das bedeutet: Nicht jedes Gewässer eignet sich für den Aufstau. Maßnahmen der Wasserhaltung müssen stets wasserwirtschaftlich und ökologisch geprüft werden – insbesondere im Hinblick auf:

  • die Durchgängigkeit für Fische und Kleinlebewesen,
  • die Gewässerstruktur und
  • das ökologische Potenzial des jeweiligen Gewässers.

Landwirtschaft

Für die landwirtschaftlichen Flächen in unserem Verbandsgebiet ist eine ausreichende Wasserversorgung im Sommer entscheidend. Durch Stauanlagen in Gräben kann der Wasserstand so reguliert werden, dass die angrenzenden Flächen auch in trockenen Phasen von einem höheren Wasserstand profitieren.

Wie setzen wir Wasserhaltung um?

Stauanlagen und Wehre

Das wichtigste Instrument der Wasserhaltung sind Stauanlagen in unseren Verbandsgewässern. Mit einfachen, aber wirkungsvollen Stauelementen kann der Wasserstand in Gräben angehoben und das Wasser in der Fläche gehalten werden. Im Winter und Frühjahr werden die Staue bei Bedarf geöffnet, um die Entwässerung der Flächen sicherzustellen. Im Sommer werden sie geschlossen, um das Wasser zurückzuhalten.

Bisher verfügen wir über wenige Stauanlagen im Verbandsgebiet. Wir sind überzeugt, dass ein Ausbau dieses Systems großen Nutzen für die Wasserversorgung der landwirtschaftlichen Flächen und den Grundwasserhaushalt bringen würde. Allerdings können wir solche Anlagen nicht ohne Weiteres errichten – denn die Gewässer verlaufen in der Regel teilweise über private Grundstücke, oder liegen unmittelbar an diesen Grundstücken.

Deshalb sind wir auf die Zusammenarbeit mit Ihnen als Grundstückseigentümer angewiesen. Wenn Sie Interesse daran haben, den Wasserstand in den Gräben auf oder an Ihren Flächen gezielt anzuheben, sprechen Sie uns gerne an. Gemeinsam prüfen wir, ob und wo eine Stauanlage sinnvoll umgesetzt werden kann. Dabei berücksichtigen wir selbstverständlich auch die Belange der Gewässerökologie: Vor der Errichtung einer Stauanlage wird geprüft, ob das betreffende Gewässer aus ökologischer Sicht für einen Aufstau geeignet ist – etwa im Hinblick auf die Durchgängigkeit und die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie.

Angepasste Gewässerunterhaltung

Neben dem Bau von Stauanlagen passen wir auch unsere reguläre Gewässerunterhaltung an. Wo es möglich und sinnvoll ist, mähen wir Böschungen und Sohlen weniger intensiv, um den Abfluss natürlich zu bremsen. Auch die Erhaltung von Ufergehölzen und Gewässerrandstreifen trägt dazu bei, den Wasserrückhalt zu verbessern und gleichzeitig die ökologische Qualität der Gewässer im Sinne der WRRL zu fördern.

Zusammenarbeit mit Partnern

Wasserhaltung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wir arbeiten eng zusammen mit:

  • den Städten und Gemeinden im Verbandsgebiet
  • dem NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz)
  • der Unteren Wasserbehörde
  • den Landwirten und Grundstückseigentümern vor Ort
  • Naturschutzbehörden und -verbänden, insbesondere bei Fragen der Gewässerökologie

Digitale Wasserstandsüberwachung

Um unsere Stauanlagen optimal zu bewirtschaften, setzen wir zunehmend auf digitale Pegelüberwachung. Automatische Messstationen erfassen die Wasserstände in unseren Gewässern und liefern uns aktuelle Daten, die wir für die Steuerung der Stauanlagen nutzen. So können wir schnell und gezielt reagieren – sowohl bei Trockenheit als auch bei Hochwasserereignissen.

Die Herausforderung: Balance finden

Wasserhaltung bedeutet nicht, dass wir die Entwässerung aufgeben. Unsere Kernaufgabe – die ordnungsgemäße Vorflut für die landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungsgebiete sicherzustellen – bleibt bestehen. Die Kunst liegt darin, beides miteinander in Einklang zu bringen: Im Winter muss überschüssiges Wasser abgeführt werden können, im Sommer wollen wir möglichst viel davon in der Landschaft halten.

Gleichzeitig müssen wir bei jeder Maßnahme die ökologischen Belange der Gewässer im Blick behalten. Die Wasserrahmenrichtlinie setzt den Rahmen: Wo ein Aufstau die Durchgängigkeit eines Gewässers beeinträchtigen oder den ökologischen Zustand verschlechtern würde, ist er nicht das richtige Mittel. Deshalb prüfen wir jeden Standort einzeln und wägen Nutzen und Auswirkungen sorgfältig ab – in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden.

Ausblick

Der Wasserrückhalt wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Die Folgen des Klimawandels werden uns dazu zwingen, den Umgang mit Wasser in der Landschaft grundlegend zu überdenken. Die Hase-Wasseracht stellt sich dieser Aufgabe – mit bewährten und neuen Instrumenten:

  • Ausbau des Stauanlagen-Netzes – in Zusammenarbeit mit Grundstückseigentümern und Landwirten
  • Weiterentwicklung der digitalen Pegelüberwachung für eine datengestützte Steuerung
  • Anpassung der Unterhaltungskonzepte an die Ziele des Wasserrückhalts und der WRRL
  • Renaturierung und naturnahe Gewässergestaltung, wo dies ökologisch sinnvoll und mit den Interessen der Anlieger vereinbar ist

Alle Maßnahmen ordnen sich dabei in den Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ein. Unser Ziel ist eine Wasserbewirtschaftung, die landwirtschaftliche Nutzung, Grundwasserschutz und Gewässerökologie gleichermaßen berücksichtigt.

Ihr Ansprechpartner

Sie haben Fragen zur Wasserhaltung oder möchten mit uns über eine Stauanlage an Ihrem Gewässer sprechen? Wir freuen uns über Ihre Nachricht.